Japan-Reise 2015

Wer nach Japan fliegen möchte, dem sollte eine Sache klar sein: die An- und Abreise dauert unverschämt lang. Selbst bei reibungslosem Ablauf und ohne die Zugfahrt zum Flughafen oder diverse Zeitpuffer, damit man auch garantiert seinen Flieger erwischt, ist man noch 13,5 Stunden unterwegs. Das ist von der Realität allerdings weit entfernt. In unserem Fall waren es eher 24,5 Stunden. 24,5 Stunden, in denen ich kein Auge zu bekommen habe. Es hätte aber auch schneller gehen können, wären wir nicht erst in Tokyo herumgeirrt, um das Hotel zu finden. Aber mit ein paar Problemen muss man immer rechnen, oder?

Dennoch würde ich eine solche Tortur jedes mal wieder mit Freuden in Kauf nehmen, denn diese Reise war für mich ein unvergessliches Erlebnis. Zusammen mit meinem Bruder habe ich die Reise bereits Monate im Voraus geplant. Für die Dauer haben wir uns auf 3 Wochen geeinigt. Im Nachhinein wünschte ich mir, es wären noch ein paar Wochen mehr gewesen.

Und so sah unsere Tour durch Japan aus: In der ersten Woche blieben wir in Tokyo – hier gibt es so viel zu sehen, dass eine Woche kaum ausreicht. In der zweiten Woche unternahmen wir eine Städtetour mit dem Shinkansen von Tokyo nach Kyoto, Kanazawa, Nagano, Ikaho-Onsen, Kumagaya und Aomori. Und in der dritten Woche setzten wir dann mit der Fähre nach Hokkaido über und fuhren mit dem Mietwagen eine Runde um die Insel.


Überblick über die in Japan zurückgelegten Strecken.


Tokyo 東京

Im Ballungsraum Tokyo-Yokohama leben 37,5 Millionen Menschen, was diesen, mit Tokyo als Zentrum, zur größten Metropolregion der Welt macht.


Blick aus dem Nordturm des Rathauses zum Fuji, der über 100km weit entfernt ist.


Wolkenkratzer im Stadtteil Shinjuku.


Das Rathaus von Tokyo und der Blick zum Tokyo Skytree.


Blick von der oberen Plattform des Tokyo Skytree über die Stadt.
Der Skytree hat zwei Plattformen: eine in 350m Höhe und in 450m Höhe. Insgesamt ist er mit 634m nach dem Burj Dubai das zweithöchste Gebäude der Welt.


Der Tokyo Tower wurde nach dem Vorbild des Eiffelturms gebaut und übertrifft dessen Höhe minimal.

Akihabara 秋葉原

Tokyos Stadtteil Akihabara ist eine Elektronikmeile und Otakutreffpunkt (Otaku = ähnlich dem englischen nerd / geek im Bezug auf das Sammeln von Anime- & Manga Artikel als Hobby). Hier findet man alles über Manga, PVC Sammelfiguren, Videospiele und Cosplay.



Das Gundam Cafe befindet sich unter dem Bahnsteig der Akihabara Station.


Das Akiba One Building ist sehr bekannt und dient in einigen Anime und Manga als Schauplatz.


Im Gebäude befand sich zu der Zeit eine Ausstellung zum Anime Gakkou Gurashi! (engl.: School Life).

Meiji-Schrein 明治神宮

Mitten in Tokyo befindet sich der Meiji-jingū, der zum Shintoismus zählt, welcher in Japan die älteste, und neben dem Buddhismus die am weitesten verbreitete Religion darstellt. Am Eingang des Geländes steht ein großes Torii. Mit dem Durchschreiten des Torii betritt man eine heilige Stätte.


Torii am Eingang des Meiji-Schreins und der Weg zum Schrein.


Chōzuya – so heißt der Brunnen vor dem Schrein.

Die meisten Schreine haben am Eingang einen solchen Brunnen stehen. Hier sollen sich Besucher einem Reinigungsritual unterziehen, indem sie sich Hände und Mund waschen.


Tor und Hauptgebäude.

Shintoismus

Der Shintoismus ist eine ausschließlich in Japan verbreitete Religion. Tempel zählen übrigens zum Buddhismus, während Schreine dem Shintoismus angehören. Im Shintoismus existieren unzählig viele Natur-Gottheiten, die meist nur eine lokale Bedeutung haben. Daher ist auch der Glaube regional sehr unterschiedlich geprägt. Diese Gottheiten wohnen in Objekten wie Bäumen und Felsen aber auch in Tieren. Beispielsweise verehrt man am Fushimi Inari Schrein einen Fuchs als Gottheit der Ernte.

Torii sind beispielsweise ein Symbol des Shintoismus. Die Naturgötter, kami genannt, leben in den Arealen, die man durch ein Torii betritt.
Ein weiteres Symbol ist das Shimenawa – ein dickes Seil, das entweder von Göttern bewohnte Bäume und Felsen umspannt oder dekorativ auf Tempeln und Torii angebracht wird.

Shinjuku 新宿

Shinjuku ist der Verwaltungssitz der Präfektur Tokyo. Hier befindet sich auch das Rathaus von Tokyo.


Das Square Enix Cafe „Artnia“ neben dem Square Enix Headquarter im Stadtteil Shinjuku.

Ikebukuro 池袋

Im Stadtteil Ikebukuro befindet sich der Gebäudekomplex Sunshine-City und bildet mit dem 60 Stöckigen Wolkenkratzer „Sunshine 60“ das höchste Gebäude im Viertel.


Eindrücke von Ikebukuro, natürlich darf auch ein Besuch im Pokemon-Center in Sunshine-City nicht fehlen!

Nerima 練馬

Nerima ist ein Stadtteil im Nordwesten von Tokyo, der etwa 1 Zugstunde ausserhalb des Zentrums gelegen ist. Es mag nichts besonderes sein, für mich war es aber interessant, zu sehen wie die Menschen in Japan Wohnen.


Eine Einkaufsstraße und eine Wohngegend im Stadtteil Nerima.

Kamakura 鎌倉

Kamakura ist eine kleine Stadt am Meer mit vielen Tempeln und über die Zugverbindung etwa eine Stunde südlich von Tokyo. Ein Ausflug nach Kamakura dauert 1/2 bis 1 Tag und kann von Tokyo aus durchgeführt werden.


Am Bahnhof Kita-Kamakura (dt.: Kamakura-Nord).


Der Eingang des Engakuji Tempels befindet sich direkt hinter dem Bahnübergang und damit nicht weit vom Bahnhof (180°-Drehung zum vorhergehenden Foto).


Die Engakuji Tempelanlage.


Im Anschluss ging es durch die Stadt zum nächsten Tempel. Zunächst noch die Straße entlang, dann querfeldein.


Was hier so vor sich hinwächst ist Bambus. Zum Größenvergleich: Wer genau hinschaut, kann am unteren Bildrand das Dach eines PKWs sehen.


Der Eingang des Zeniaraibenten Schreins führt durch einen Tunnel. Auf der anderen Seite befindet sich ein kleiner Talkessel umringt von steilen, bewachsenen Felswänden. Durchquert man den Talkessel, gelangt man in eine Höhle, in der sich ein Teil des Schreins befindet. Hier kann man sein Geld waschen, wodurch es sich vermehren soll.


Beim Tsurugaoka Hachimangu Schrein fand just an diesem Tag ein Wettkampf zu Pferd statt, bei dem die Reiter aus vollem Galopp mit Pfeil und Bogen auf ca. 25cm große Zielscheiben am Wegesrand schießen mussten.


In einem kleinen Nebengebäude werden Souvenirs (zumeist Glücksbringer) verkauft.

Am nächsten Morgen haben wir uns zur Tokyo Station begeben, von wo der Shinkansen in alle Ecken Japans fährt.

Wissenswertes zum Shinkansen:
Es gab seit Inbetriebnahme noch nie einen Unfall mit Todesfolge.
Dabei haben die Züge in den vergangenen 52 Jahren schon mehr als 10 Milliarden Menschen transportiert (ca. 200 Mio. pro Jahr).
Bei einem Erdbeben werden Züge auf betroffenen Strecken durch ein Frühwarnsystem automatisch gestoppt.
Die durchschnittliche Verspätung betrug im Jahr 2005 ganze 6 Sekunden.
Die Höchstgeschwindigkeit der N-700 Baureihe beträgt 300km/h.
Durch eine spezielle Neigetechnik der Waggons behält der Zug auch in Kurven seine Geschwindigkeit bei.


Hier warten wir noch an der Tokyo Station auf den Shinkansen, der uns nach Kyoto bringt.


Kyoto 京都

Eine der geschichtlich und kulturell bedeutendsten Städte Japans ist Kyoto. Hier war bis ins 19. Jahrhundert der Sitz des Kaisers. Heute ist die Stadt, vor allem bei Japanern selbst, mit ihren vielen Tempeln und Schreinen ein beliebtes Touristenziel.


Wer in Japan mit dem Zug reist, darf auf keinen Fall das Ekiben vergessen!
Jede Linie hat ihr ganz eigenes Bento mit Zutaten aus den Regionen, die der Zug durchquert.


Warum gibt es C.C. Lemon eigentlich nicht in Deutschland? Ich habe nach meiner Reise sogar mit dem Hersteller Suntory in Japan Kontakt aufgenommen und nett gefragt, ob diese nicht nach Deutschland exportieren könnten. Leider ohne Erfolg. Die Limonade ist in Japan nach Coca Cola das am zweithäufigsten konsumierte Getränk. Selbst die Simpsons treten in der Werbung auf. 😀


Kyoto Station.


Die ersten Eindrücke von Kyoto. Obwohl es in Tokyo auch um die 25 bis 28°C waren (im Oktober), fühlte sich das Klima in Kyoto noch etwas mehr nach Südsee an.


Auf dem Weg zum Kiyomizu-dera mussten wir einer Schülergruppe Platz machen.

Der Kiyomizu-dera (dt.: Tempel des reinen Wassers) liegt an einem Berghang am östlichen Stadtrand Kyotos und ist berühmt für seine große Holz-Terasse in 13m Höhe, von der man einen guten Blick über die gesamte Stadt erhält. Um den Bau von Hochhäusern in der Nähe zu verhindern, wurden alle umgebenden Grundstücke vom Tempel aufgekauft.

Die japanische Redewendung „die Terrasse des Kiyomizu hinunterspringen“ (清水の舞台から飛び降りる kiyomizu no butai kara tobioriru) bedeutet „sich zu einem Entschluss durchringen“. Dies erinnert an eine Tradition aus der Edo-Zeit, nach der einem Menschen, der den Sprung von der Terrasse wagte, alle Wünsche erfüllt wurden. Dies scheint glaubhaft zu sein, da die üppige Vegetation unter der Terrasse den Aufschlag abdämpft. 234 Sprünge wurden in der Edo-Periode dokumentiert und davon überlebten 85,4 % der Springer den Sprung (heutzutage ist es jedoch verboten, von der Terrasse zu springen). Quelle: Wikipedia.org


Das West-Tor des Kiyomizu-dera bei Sonnenuntergang.


Pagode des Kiyomizu-dera.


Auf der Terrasse des Kiyomizu-dera.


Hier kann man sich anstellen, um von der Quelle zu trinken.


Die 400 Jahre alte Terrasse von unten. Die Geschichte des Tempels reicht übrigens etwa 1200 Jahre zurück.



Gion ist die Altstadt von Kyoto und liegt am Fuße des Kiyomizu-dera.


Als es dann schon fast komplett dunkel war, sind wir noch an diesem Schrein vorbei gekommen.


Unser nächstes Ziel war der Yasaka-jinja (Yasaka Schrein). Schade: Im Gegensatz zu den anderen Fotos konnte meine Kamera die Lichtstimmung hier nicht gut einfangen.


Im Gion Kyomen (祇園 京めん), einem nahegelegenen Restaurant, gab es dann Unadon zum Abendessen. Sehr lecker!


Zuletzt hat noch ein Spaziergang durch Ichinocho (so heißt der Stadtbezirk, durch den dieser Kanal fließt) den Tag abgerundet. Das besondere an diesem Kanal ist, dass der Boden mit runden Steinen ausgelegt ist und das flache Wasser sich beim darüber fließen kräuselt. Am Kanal entlang sind viele Restaurants und Teehäuser, sodass man vom Fenster oder Balkon aus einen schönen Blick auf den Kanal hat.


Am nächsten Morgen haben wir dann in der Bäckerei direkt neben unserem Hotel gefrühstückt.

Auf dem Tablett befindet sich (oben) eine japanische Spezialität: das Melonpan, ein Süßgebäck mit Melonen-Geschmack. Wenn sich die Möglichkeit geboten hat, haben wir wie hier im westlichen Stil gefrühstückt, also etwas Gebäck und dazu einen Kaffee. Das traditionelle japanische Frühstück traf dagegen nicht meinen Geschmack: dazu gehört u.a. Reis, Fisch, Tofu, Natto (fermentierte Sojabohnen).


Die Burg Nijō.
Das Tor, Karamon genannt, durch das man auf das Gelände gelangt, ist ein Symbol für Macht und durfte früher nur vom Shogun durchschritten werden.


Der Kaiserpalast. Wo? Nachdem wir etwa 2km in der Mittagshitze durch das Areal gelaufen sind, haben wir die Suche abgebrochen und ein Eis mit Grüner Tee-Geschmack gegessen (Sehr lecker!). Es gibt einige mit Mauern umringte Abschnitte und ich vermute, dass sich der Palast hinter einer dieser Mauern befindet. Als ich bereits zurück in Deutschland war, habe ich herausgefunden, dass man den Palast nur mit Führung besichtigen kann. Diese muss man mindestens 2 Wochen im voraus buchen.


Der goldene Pavillon (Kinkaku-ji). Es gibt auch einen silbernen Pavillon in Kyoto (den Ginkaku-ji), dieser ist ebenso sehenswert, lag allerdings nicht auf unserer Tour.



Der Fushimi Inari-Taisha, ein Shintō-Schrein, ist bekannt für seine Alleen aus Torii. Vom Eingang des Schreins führt der Weg einen Berg hinauf und einmal um die Spitze herum. Es gibt dabei kaum eine Stelle, an der kein Torii steht. Diese Torii werden von Familien oder Unternehmen gespendet. Man betet damit, z.B. im Falle eines Unternehmens, für ein gutes Geschäftsjahr. Wer mit dem Gedanken spielt, sich auch ein Torii an diesem Schrein aufstellen zu lassen, dem sei gesagt, dass eine Spende von ca. 10.000 Euro erwartet wird.


Muss auch mal sein: Instant Nudelsuppe aus dem Kombini…die übrigens sehr gut geschmeckt hat, kein vergleich zu den in Deutschland erhältlichen Produkten.

was ist ein Kombini?
In Japanischen Städten findet man alle hundert Meter einen Convenience Store, die Japaner sagen dazu Kombini. Diese haben 24/7 geöffnet und bieten auf kleiner Fläche alles, was man kurzfristig benötigt. Das Angebot reicht von Lebensmitteln und Zeitschriften bis hin zu Hemden und Krawatten. Dabei ist die Auswahl nicht sehr groß und die Preise etwas teurer, aber noch unter dem Niveau eines Tankstellenshops in Deutschland.

Kanazawa 金沢


Der Bahnhof von Kanazawa.


In Japan gibt es ein Koban-system, das sind kleine Polizeihäuser, die meist mit nur 1 Beamten rund um die Uhr besetzt sind. In jeder Stadt und meist auch in jedem Bezirk, zentral gelegen, finden sich solche Koban. Hauptaufgabe ist die Bekämpfung von Kleinkriminalität. Sie dienen auch als Anlaufstelle für Menschen, die eine bestimmte Adresse suchen oder Kinder, die sich verlaufen haben.


Im Geisha-Viertel (Higashi Chaya District) von Kanazawa findet man neben Teehäusern auch einen Schrein und es gibt eine goldene öffentliche Toilette, auf die der Polizist, den wir nach dem Weg fragten, besonders stolz war (habe ich dann aber nicht besucht/benutzt).


Ein Typisch japanischer Strommast.

warum keine Erdkabel?
Unterirdische Kabel werden in Japan fast ausschließlich in Tunneln verlegt. Die Baugesellschaften scheuen den Aufwand, den es erfordert, ein Erdkabel zu legen, außerdem gibt es viele enge Straßen, die das Verlegen erschweren. Es ist daher einfacher eine Baubewilligung für Masten einzuholen. Doch inzwischen scheinen die Japaner eingesehen zu haben, dass so ein Mast kein schöner Anblick ist. Die Regierung arbeitet immerhin daran, bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokyo, die Masten besonders in der Gegend Touristischer Ziele zu verbannen.


Traditionelle Stadthäuser in Higashi Chaya.


Der Kenroku-en zählt zu den drei schönsten Gärten Japans, gleichzeitig ist er auch der größte.


Abfahrt in Richtung Nagano. Natürlich darf die obligatorische Wegzehrung nicht fehlen. Diesmal in Form von einem Bier und zwei Onigiri (Reiskuchen mit Lachsfüllung, in ein Algenblatt eingewickelt).

Nagano 長野

In Nagano fanden 1998 die Olympischen Winterspiele statt.


Nagano Station.


Auf dem Weg zum Zenkō-ji, einem Buddhistischen Tempel.


Das Tor des Zenkō-ji und der Tempel selbst. Beim Tempel war eine Weltkarte aufgebaut, die mit roten Stecknadelköpfen übersät war. Besucher aus aller Welt konnten somit anzeigen, aus welchem Land sie kamen. Jetzt steckt dort auch eine Nadel bei Deutschland 🙂 .


An einem Kiosk des Tempels werden Horoskope verkauft. Man bezahlt 100Yen (ca. 1 €), schüttelt eine Schachtel mit Stäbchen, auf denen Nummern stehen und zieht eins heraus, das gibt man zurück und erhält das entsprechende Horoskop zu dem gezogenen Stäbchen. Darauf steht dann entweder so etwas wie „großes Glück“, dann behält man das Horoskop. Man kann allerdings auch Pech haben. Dann bindet man das Papier beim Tempel fest, wie es auf dem Bild zu sehen ist.


Hier kann man sich für das Militär einschreiben. Solche Logos sind in Japan gang und gäbe.


Ein letzter Blick vom Hotel aus, über die Stadt, kurz vor der Weiterreise.

Kumagaya 熊谷

Zwischenstation und Treffpunkt mit Bekannten aus Japan.

Land des Lächelns

Japan wird auch als das Land des Lächelns bezeichnet und obwohl in der Operette 1929 von Franz Lehár ursprünglich China damit gemeint war, hört man diese Bezeichnung immer öfter in Zusammenhang mit Japan. Tatsächlich hat es mich sehr beeindruckt, wie die Menschen miteinander umgehen. An dieser Stelle möchte ich ein paar Erlebnisse schildern, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind:

  • Die Menschen in Japan nehmen sehr viel Rücksicht aufeinander, selbst in großen Menschenmengen gibt es kein Gedrängel – außer in der U-Bahn, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Ist ein Zug am Bahnhof angekommen, stehen die Leute diszipliniert vor der Rolltreppe und bilden eine Schlange. Dabei wird eine Seite der Rolltreppe frei gelassen. So können Menschen, die es eilig haben, die Rolltreppe hinauf rennen. In vielen deutschen Großstädten gibt es übrigens ähnliche Hinweisschilder an den Rolltreppen, nur funktioniert das System bei uns nicht so gut.
  • Einmal standen wir in einem Warteraum auf dem Bahnsteig und haben auf den Zug gewartet. Es gab eine Reihe von 10 Stühlen, von denen jeweils der ganz linke und der ganz rechte Stuhl nicht besetzt war. Während wir also warteten, kam ein älteres Ehepaar in den Warteraum. Die sitzenden Menschen waren sich darüber wohl einig, dass sie das Ehepaar nicht getrennt sitzen lassen konnten und so sind alle in stillem Einverständnis aufgestanden und einen Sitz nach rechts gerutscht, so waren links zwei Sitze nebeneinander frei und das Ehepaar konnte sich setzen. Dazu ist zu sagen, dass Japaner besonderen Respekt vor dem Alter haben. Ich vermute, dass der Respekt vor alten Menschen zum Teil auch religiös geprägt ist.
  • Als wir zu einem späteren Zeitpunkt mit dem Mietwagen unterwegs waren, kamen wir an einem Mister Donut Cafe vorbei und wollten bei der Gelegenheit auch gleich etwas Verpackungsmüll, der sich im Fahrzeug angesammelt hatte, entsorgen. Es kann nämlich manchmal sehr schwer sein, in Japan einen Mülleimer zu finden. Als wir das Cafe betraten, kam uns eine Angestellte gleich entgegen geilt, um uns den Müll abzunehmen, das war schon etwas peinlich, aber von so einer Behandlung kann man in Deutschland doch nur träumen.
  • Personen, die sich verbeugen, wird man in Japan auch jeden Tag sehen. Ein Kassierer verbeugt sich vor dem Kunden, wenn dieser das Geschäft betritt. Ein Getränkeverkäufer im Zug verbeugt sich vor den Reisegästen, bevor der mit seinem Getränkewagen in den nächsten Waggon rollt. Und ein Bauarbeiter verbeugt sich vor den Fußgängern, um sich für die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen, die durch die Existenz der Baustelle auf dem Gehweg entstehen. Angestellte verbeugen sich vor dem Chef, wenn sie mist gebaut haben. Das kann sogar richtig demütigend werden, je nachdem, was man ausgefressen hat. Im härtesten Fall muss man auf die Knie und sich so verbeugen, dass die Stirn den Boden berührt. Sich angemessen zu entschuldigen ist in Japan wirklich nicht leicht.


Der Shinkansen hat Doppelstockwagen. Unterwegs habe ich ein paar Fotos der ländlicheren Gegend geschossen.


Angekommen in Kumagaya, haben wir uns zunächst die Zeit vertrieben,
indem wir einen nahe gelegenen Park besucht haben.


So sieht es aus, wenn Japaner essen gehen. Es gibt viele kleine Häppchen von denen sich jeder nehmen kann. Es wird immer wieder nachbestellt und am Ende kommt eine Rechnung für den ganzen Tisch, die von allen zu gleichen Teilen bezahlt wird. Gegessen wird in einem Séparée, so stören keine anderen Gäste. An jedem Tisch gibt es ein Telefon, man muss nur den Hörer abnehmen und ist direkt mit der Bedienung verbunden.

Ikaho Onsen 伊香保

Ikaho-Onsen ist ein Urlauberort und bekannt für seine heiße Quelle. Ein Urlaub bedeutet für Japaner meistens, über das Wochenende zu verreisen.


Die 365-Stufen der Steintreppe bilden Dreh- und Angelpunkt von Ikaho Onsen. Alle Touristen kommen hier vorbei und viele Geschäfte und Restaurants finden sich zu beiden Seiten. Am oberen Ende der Treppe befindet sich ein Schrein.


Nach dem Einchecken im Ryokan (einem traditionellen japanischen Hotel), habe ich direkt das Bad aufgesucht. Es gab auch ein Aussenbad, sog. Roten-buro, dieses habe ich zum Schutz der Privatsphäre der anderen Badegäste aber nicht fotografiert. 😉

so badet man in einem Onsen:
Zunächst einmal ist der Badebereich getrennt in
Männer (男 oder おとこ = Lesung: Otoko) und
Frauen (女 oder おんな = Lesung: Onna).
Das zu erkennen ist wichtig, denn im Onsen wird nackt gebadet. Außer in gemischten Bädern ist Bademode nicht erlaubt.
Das Bad sollte man im Yukata betreten, der vom Hotel bereit gestellt wird.
Nach dem Betreten entkleidet man sich und legt seine Klamotten in einen Korb, wie auf Bild 3 links zu sehen. Ein kleines Handtuch darf man mitnehmen. Wenn man sich beim Baden unsicher fühlt, kann man sich damit bedecken. Tipp: Im Wasser dient der eigene Kopf ideal als Ablage für das Handtuch.
Bevor man das Becken betritt, muss man sich also Waschen. Dafür gibt es am Eingang des Badebereichs eine Reihe von Duschen. Man wäscht Haare und Körper gründlich, bevor man in das Becken steigt. Shampoo wird dazu bereit gestellt.
Die Wassertemperatur beträgt 41°C (das ist bei den meisten Onsen so) und das fühlt sich erst sehr heiß, nach kurzer Zeit aber angenehm und entspannend an. In der Regel erträgt man so ein Bad allerdings nur etwa 10-15min. Man sollte also auf die Signale seines Körpers hören und rechtzeitig wieder aus dem Becken gehen.
Es gibt meist auch Ruheräume und nachdem man sich etwas abgekühlt hat, kann man auch wieder zurück ins Wasser. Am ehesten kann man den Aufenthalt wohl mit einer Sauna vergleichen.
Die gekühlte Erdbeermilch nach einem Bad im Onsen ist ein Muss!

Nach dem erholsamen Bad haben wir am Abend noch einen Spaziergang durch die Stadt gemacht.


Eine alte Spielhalle.

Dann sind wir noch an einer Spielhalle vorbei gekommen, hier gab es kleine Preise zu gewinnen – indem man Ringe warf oder mit einem Korkengewehr auf Ziele schoss. Das wirkte zwar schon etwas schrullig, aber ich finde es toll, dass es hier so etwas noch gibt! Es geht garnicht darum, dass man einen großen Preis gewinnt, sondern, dass man mit Freunden Spaß hat. In einem weiteren Geschäft konnte man mit Pfeil und Bogen schießen. Gegen Ende des Abends waren wir noch in einem kleinen Restaurant – ich habe eine Schüssel Ramen bestellt, für meinen Bruder gab es gebratene Nudeln. So haben wir noch den Rest des Tages verbracht, während in einer Ecke der Fernseher lief und am Tresen zwei Japaner ihren Sake tranken. Um die Etikette nicht zu verletzen, habe ich im Schneidersitz an dem traditionellen Tisch gesessen. Der Tisch war ca. 30cm über dem Boden, dabei setzt man sich auf ein Kissen. Ich vermute, ich habe mir dabei eine Zerrung im Bein zugezogen, jedenfalls konnte ich die nächsten 2 Tage nur unter Schmerzen gehen.

Aomori 青森

Aomori ist eine der nördlichsten Städte auf Honshu, der japanischen Hauptinsel. Von hier aus verkehrt eine Fähre nach Hokkaido. Die Überfahrt dauert 4h, mittlerweile gibt es aber auch einen Shinkansen-Tunnel unter dem Meer.


Hier sieht man ein Museumsschiff, nebenan die Aomori Harbor-Bridge.
Nach einer kurzen Stadterkundung haben wir in einem Sushi-Restaurant gegessen. Foto Mitte: Sushi, Foto Rechts: Sashimi. Dazu gab es meist einen grünen Tee oder Sake.


Am nächsten Tag die Überfahrt mit der Autofähre nach Hokkaido. Ein Zerstörer gab uns dabei „Begleitschutz“. Die Wellen ausserhalb der Bucht waren bis zu 3m hoch.


Es heißt, Hokkaido habe eine für Japan untypische Landschaft. Diese erinnert an Deutschland oder Österreich, auch das Klima ist ähnlich dem in Deutschland.

Tomakomai 苫小牧


Tomakomai war die Zwischenstation auf dem Weg nach Sapporo. Der Zug „Super Hokuto“ verkehrt zwischen Hakodate und Sapporo. Er war so gebaut, dass man an den Triebwagen einen weiteren Zug vorne ankoppeln kann und unter dem Führerhaus hindurch, in diesen hinein gelangt.

Sapporo 札幌


Am Bahnhof in Sapporo begrüßt ein Maskottchen die Reisenden. Die nächsten beiden U-Bahn Stationen sind durch eine 3km lange, unterirdische Passage mit dem Bahnhof verbunden. Zu beiden Seiten sind kleine Geschäfte endlos aneinander gereiht.


Das wichtigste zuerst: nach dem einchecken im Hotel, haben wir in einem Lokal in der Ramen Alley gegessen. Das ist eine enge Gasse gespickt mit 16 winzigen Ramen Restaurants. Sapporo Ramen ist eine Spezialität in der Region, diese heben sich durch Zugabe eines Stücks Butter und Mais von anderen Nudelsuppen ab.


In Sapporo gibt es ein Riesenrad, das auf dem Dach eines Hauses steht. Auf dem mittleren Bild sieht man ein Kamerateam, das den Wetterbericht für den nächsten Tag aufnimmt. Das haben wir dann tatsächlich auch im Hotel im TV gesehen. Und zuletzt eine typisch japanische Baustellenabsperrung mit Hello-Kitty Motiv. Es gab auch andere Motive, wie z.B. Delfine oder Giraffen.


Ein Maibaum in Sapporo. Was sonst?


Sapporo bei Nacht. Die Straßenbeleuchtung hätte man sich sparen können.


Bei Tempura werden die Zutaten im Teigmantel frittiert. Das kann alles mögliche von Meeresfrüchten bis Gemüse sein. Es gibt sogar einige Restaurants, die sich auf Tempura spezialisiert haben.


Toyohira River in Sapporo.

In vielen japanischen Städten ist Platzmangel ein großes Problem. Dass dem Fluss, der mitten durch Sapporo fließt, soviel Platz zu beiden Seiten erhalten blieb, ist dagegen nicht verwunderlich. Die Grünflächen entlang des Flusses können bei Hochwasser überschwemmt werden, ohne dass große Schäden entstehen. Und gleichzeitig dienen sie für Sportanlagen (Fussball, Minigolf, Radwege). So gehen auch diese Flächen nicht verloren und werden sinnvoll genutzt.


Laubfärbung im Nakajima Park.

Asahikawa 旭川

Die Stadt Asahikawa war für uns nur eine Zwischenstation zum Übernachten. Die übrige Zeit nach der Autofahrt haben wir genutzt, um die Stadt zu erkunden. Wie die meisten Orte auf Hokkaido hat Asahikawa nur eine kurze Geschichte. Der mittlerweile 350.000 Einwohner zählende Ort wurde erst in den 1920er Jahren zur Stadt ernannt.


Mit dem Mietwagen unterwegs nach Asahikawa. Das Tempolimit beträgt außerorts 60km/h.


Blick über Asahikawa und Asahikawa Station.


In einem Sushi-Restaurant in Asahikawa.

Sounkyo 層雲峡

Sōunkyō ist eine Reihe von Schluchten im Daisetsuzan Nationalpark. Hier befindet sich auch der höchste Berg Hokkaidos, der Asahi-dake (2291 m).


Ob hier der Asahi-dake zu sehen ist, kann ich leider nicht mit Gewissheit sagen. Auf jeden Fall ist er Teil dieses Gebirges.

Die Zeit der Laubfärbung haben wir hier leider verpasst, trotzdem ein unglaublicher Ausblick.

Abashiri 網走

Abashiri war der nördlichste Ort auf unserer Strecke. In den Wintermonaten treiben hier sogar Eisberge an der Küste vorbei. Außerdem ist der Ort bekannt für sein … Hochsicherheitsgefängnis ?! 😕


Strasse nach Abashiri, Hafeneinfahrt und Blick über die Stadt vom Hotel aus. Hier stand ich zum einzigen mal während der kompletten Reise an einem Sandstrand. Der kalte Wind hat dem Badevergnügen allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Akan Nationalpark 阿寒国立公園

Der Akan Nationalpark ist ein riesiger Vulkankrater auf einer Fläche von 905km². Überall roch es nach Schwefel, doch hat sich hier auch eine einzigartige Natur entwickelt.


An einem Rastplatz nahe des Kussharo-Sees haben wir Mittag gegessen.
Aufgrund der vielen heißen Quellen läuft ständig warmes Wasser in den See. Am Ufer war es so heiß, dass man Eier darin kochen kann. Außerdem lebt im Kussharo-See eine von weltweit zwei Algenpopulationen der Kugelalge.

Nemuro 根室

Nemuro liegt auf einer Halbinsel im Südosten von Hokkaido. Trotz der 27.000 Einwohner hat die Stadt auf mich den Eindruck eines verschlafenen Fischerdorfs gemacht und nirgends sonst in Japan überkam mich dieses Gefühl, von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Die meisten Städte Japans sind so stark miteinander verbunden, dass man es oft garnicht merkt, wenn man von einer Stadt in die nächste kommt. Hier ist das definitiv nicht so. Es ist eine 3-Tages Reise mit dem Auto nach Sappporo und es gibt keinen Shinkansen, nur scheinbar endlose Straßen, die wiederum zu einem anderen unbedeutenden Fleck auf der Landkarte führen.


Die Straßenschilder sind sowohl auf Japanisch, als auch auf Russisch lesbar. Auf diesem Schild jedoch steht sinngemäß geschrieben: Wir wollen unsere Gebiete wieder haben. Die Botschaft richtet sich an Russland und soll die japanische Bevölkerung dafür sensibilisieren, dass noch immer vier der japanischen Inseln besetzt gehalten werden und damals tausende Menschen vertrieben wurden. Auch Heute noch köchelt der Konflikt und es wird gelegentlich von Angriffen des russischen Militärs auf japanische Fischerboote berichtet.


Ein paar Eindrücke von Nemuro.


Das ist der östlichste Punkt von Hokkaido. Am Horizont sieht man eine der russischen Inseln.


Auf dem Weg nach Kushiro konnten wir von einem Aussichtspunkt einen spektakulären Blick auf die Akkeshi Bucht genießen. (Fotomontage, aus 2 Fotos zusammengeschnitten)

Kushiro 釧路


Hauptstraße in Kushiro und Blick aus dem Hotel zum Hafen.


An diesem Automaten kann man lebende Krabben angeln. 😀


Dieses Schutzgebiet ist direkt neben Kushiro. Man kann sich beim Anblick der endlosen Wildnis kaum vorstellen, dass die größte Stadt Ost-Hokkaidos direkt um die Ecke liegt.


Mandschurenkraniche.

Wissenswertes zum Mandschurenkranich
Die Mandschurenkraniche sind eine vom aussterben bedrohte Tierart. In freier Wildbahn schätzte man den Bestand gegen Ende des 20. Jahrhunderts auf gerade einmal 2000 Exemplare weltweit.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Mandschurenkraniche auch auf Hokkaidō verschwunden. 1910 wurden vereinzelt wieder Mandschurenkraniche gesichtet, 1924 wurde erstmals wieder eine kleine Schar in den Kushiro-Sümpfen beobachtet. Die Kranichjagd wurde daraufhin verboten und das japanische Kulturministerium erklärte den Mandschurenkranich zum Nationaldenkmal. Bereits in den 1930er Jahren wurden 2.700 Hektar in diesen Sümpfen als besonderes Rückzugsgebiet ausgewiesen. Während einer schweren Frostperiode im Jahre 1952 retteten örtliche Bauern eine verbliebene Schar von 30 Mandschurenkranichen, die sich um eine heiße Quelle versammelt hatten, indem sie Getreide auslegten. Diese Tradition wird bis heute fortgesetzt.
Quelle: Wikipedia.org


Sonnenuntergang über dem Meer.
(Bild 2 ist eine Fotomontage aus zwei nebeneinander liegenden Fotos.)


Karaage ist frittiertes Huhn, mariniert mit Knoblauch und Ingwer und mit einer würzigen Panade bedeckt.


Auf dem Weg von Kushiro zurück nach Sapporo mussten wir einen Gebirgspass überqueren und haben dabei 1000 Höhenmeter überwunden.

Sapporo Chitose Airport 千歳基地


Von Sapporo Chitose ging es dann mit dem Flugzeug zurück nach Tokyo.

Tokyo Narita Airport 成田国際空港


Am Tag des Rückflugs nach Deutschland warten wir am Flughafen Tokyo Narita auf das Boarding. Sayōnara Japan! 😥

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  1. Meine Frau kommt aus Chile und spricht 5 sprachen eine ist japanisch. Damit will ich sagen Abo hast Safe! Hier kann ich Viel lernen und meine Frau so überraschen 😉
    Hoffe du besuchst mal unseren Blog 🙂

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