2018: Ein halbes Jahr in Japan

kurzer Hinweis vorneweg: mit einem Linksklick auf die Bilder öffnet sich eine Diashow mit reduzierter Auflösung. Mit einem Rechtsklick und „Link öffnen“ wird das Bild in voller Auflösung gezeigt.

Nach einer langen Vorbereitungszeit und auch einer menge Glück, bin ich am 27. März nach Japan geflogen, um hier meine Abschlussarbeit zu schreiben. Es ist schwer, etwas Zeit dafür zu finden und ausführlich zu schreiben, da ich einerseits viel zu tun habe und andererseits noch viel mehr erleben möchte, aber ich versuche es einfach mal.

28. März, 6:00 Uhr morgens landete mein Flieger in Tokyo Haneda, ein Flughafen auf einer künstlichen Insel in der Bucht von Tokyo. Eine Stunde in der Schlange zur Passkontrolle und um 8:50 Uhr ging der Bus zur Omiya Station im Norden von Tokyo. In Deutschland noch mit Winterklamotten bei 6°C abgereist, haben mich hier 23°C bereits am frühen Morgen erwartet.

Gegen 11:30 Uhr dann die Ankunft in Gyoda. Hier befindet sich meine Wohnung und mein Arbeitsplatz für das nächste halbe Jahr. Schnell mit dem Taxi zur Firma und nach der Vorstellung im Unternehmen und einem kurzen Einkauf im Supermarkt (nur um das allernötigste in der Wohnung zu haben) ein kurzer Blick auf die Uhr, deren Zeiger bereits bei 6 p.m. angekommen ist – ich wollte schon gar nicht mehr nachrechnen, wie viele Stunden es seit der Abreise aus Deutschland waren und habe den Futon ausgebreitet.

29. März, 14:00 Uhr beginnt mein zweiter Tag in Japan. Zuerst einmal in Blick vor die Tür und die Stadt etwas erkundet. Direkt um die Ecke gibt es einen Lawson Kombini und etwas weiter einen Supermarkt. Dort habe ich mich schon einmal umgesehen, aber etwa 90% der Produkte kenne ich nicht – zumindest die Auswahl an Instant-Nudelgerichten ist sehr groß. Nach dem Einkauf bin ich noch etwas weiter durch die Stadt gelaufen und habe mir auch die Kirschblüte angesehen, aber dann wurde es schon langsam dunkel (etwa 17:30 ist zu dieser Jahreszeit Sonnenuntergang). Durch Zufall bin ich nach einbruch der Dunkelheit noch auf einen Kanal gestoßen, der zu beiden Seiten mit Kirschbäumen gespickt ist und in der Dunkelheit mit der Beleuchtung war das schon ein sehr schöner Anblick.

30. März, Uhrzeit: viel zu spät. Der Tag beginnt mit einem Melonpan, einem Süßgebäck mit Melonengeschmack und ich benötige ein paar Dinge für die Wohnung, also habe ich mir für heute vorgenommen, mit dem Zug ins Einkaufzentrum in der nächstgrößeren Stadt zu fahren. Auf dem Weg zum Bahnhof komme ich wieder an den Kirschbäumen vorbei. Zum Mittag gibts noch einen Burger von der Restaurantkette „MosBurger“, die gibt es nur in Asien.

31. März, Tagesausflug nach Shibuya, Tokyo:
Tokyo ist nur ca 60 km entfernt von Gyouda, aber es braucht mit der Takasaki line über eine Stunde dorthin, obwohl der Zug nicht gerade langsam unterwegs ist. Es sind eben viele Stationen auf der Strecke und die Gleise schütteln den Zug ziemlich durch. In Shibuya angekommen habe ich zu Fuß eine Tour durchs Viertel unternommen. Doch zunächst einmal wurde ich vom Ausgang des Bahnhofs durch eine Baustelle gelotst. Hier wird scheinbar überall gebaut. Zwischen den Wolkenkratzern kommt man sich sehr klein vor. Als ich dann aus der Unterführung kam, habe ich mich noch einmal umgedreht und festgestellt, dass nicht nur eine Straße unter dem Bahnhof hindurch führt, sondern auch darüber hinweg. In etwas weniger dicht befahrenen Gegenden von Shibuya findet man dann Alleen mit Kirschbäumen, eine Menge Kneipen und Läden. Aber überall drängen sich die Menschen auf den Bürgersteigen aneinander vorbei. Eine ruhige Ecke zum entspannen findet man hier kaum. Auf dem Rückweg zum Bahnhof habe ich noch die Shibuya Kreuzung überquert. Am Abend zurück in Gyouda hat ein Besuch im nahegelegenen Onsen den Tag abgerundet.

 

01. April: Von Tokyo starten der Joetsu- und der Hokuriku-Shinkansen, beide Linien nutzen die Strecke bis Takasaki, etwas weiter nördlich von hier, wo sich die Strecke dann in Richtung Nagano und Niigata aufteilt. Die Strecke erinnert an die des gescheiterten Transrapid – eigentlich sehr schade, dass daraus nichts geworden ist in Deutschland. Für die Kirschblüte habe ich noch einen google maps Link zu dem Ort eingefügt, an dem ich die Bilder aufgenommen habe.

https://www.google.com/maps/place/36°06’22.9″N+139°27’16.3″E/@36.1062665,139.4539661,18z/data=!4m6!3m5!1s0x0:0x0!7e2!8m2!3d36.1063548!4d139.4545313

Wer bei einer Japanreise die Kirschblüte sehen möchte, sollte sich vorher unbedingt über das wann und wo informieren. In Japan gibt es viele Klimazonen und die Kirschblüte dauert nur etwa eine Woche. Dabei beginnt sie bereits etwa mitte März in Kyushu und wandert dann bis Anfang Mai nach Hokkaido. Es kann auch durchaus vorkommen, dass Gebirgsregionen 2-3 Wochen später dran sind. Bei einem kurzen Einkauf im Kombini fiel mein Blick auf die Mausefalle, bei der man schon fast Mitleid mit den Mäusen bekommt und ein paar Süßigkeiten, die mich daran erinnert hatten, dass in Deutschland gerade Ostern ist.

06. April: Meeting in Yokohama. Auf dem Weg zum Bahnhof, teilt der Lieferdienst Kuroneko gerade seine Pakete aus. Auf dem Bahnhofsvorplatz in Yokohama und dem Weg zum Büro habe ich noch ein paar Bilder gemacht. Es sind zwar nur wenige, aber ich komme ganz bestimmt wieder, um mehr von der Stadt zu sehen. Dafür wurde ich am Abend noch mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt.

14. April – Tokyo, Akihabara: Wieder einmal ein Wochenende und wieder einmal in Tokyo unterwegs. Eine besonders kuriose Begegnung hatte ich hier mit einem Lautsprecherwagen, der mit einem Stoff-Dino besetzt war. Auch typisch für Japan: in Restaurants muss man (oft, aber nicht immer) zunächst eine Essensmarke am Automaten lösen. Die gibt man dann dem Kellner und der bringt das Essen. Am Sonntag musste ich dann noch das unglaublich komplizierte Müllsystem studieren. Dass man Milchkartons auswaschen, aufschneiden, flach übereinander stapeln soll und mit einer schnur zusammengebunden auf den Müllberg am Straßenrand legen soll. Oder Wegwerfwindeln in die Toilette entsorgen soll, bevor man sie in den Müll wirft, das erscheint mir dann doch etwas lächerlich. Dazu ist auch zu sagen, dass es in Japan keine Mülltonnen gibt und jedes Haus hat an der Straße einen gekennzeichneten Bereich, in dem der Müll abgeladen wird. Man muss den richtigen Müll am richtigen tag raus bringen. Es ist wohl in jedem Ort etwas anders. Aber allgemein wird in brennbar und nicht brennbar unterschieden. Manchmal wundert man sich dann auch, was alles als brennbar eingestuft wird. Zu den nicht brennbaren Sachen gehören zum beispiel PET Flaschen und jetzt wird sich bestimmt jeder seinen Teil dazu denken, nämlich: „ist doch logisch“ aber halt! ganz so einfach ist es nämlich nicht. Die Flaschen sollen ausgespült und zusammengedrückt werden. Die Deckel und Etiketten sind getrennt zu entsorgen, denn auch wenn alles Kunststoff ist, kommt man ums Sortieren nicht herum. Danach habe noch einen sehr schönen Sonnenuntergang beobachtet und da hier alles flach ist, steht die Sonne am Abend so tief, dass sie die Stromleitungen von unten anstrahlt und diese das Licht reflektieren.

20. April – Grabhügel: Der größte Grabhügel Japans befindet sich hier in Gyouda und obwohl dieser Ort nicht gerade als Touristisches Highlight Japans bekannt ist, war er für mich doch einen Abstecher wert.

22. April – Kumagaya: Am 05. Mai wird in Japan Kodomo no hi (Kindertag) gefeiert. Bereits im Vorfeld wird mit diesen Fischförmigen Drachen dekoriert. Ich habe mich ein wenig in der Nachbarstadt Kumagaya umgesehen und wieder den kleinen Park besucht, den ich noch von meiner Japanreise aus 2015 in Erinnerung hatte.

28. April – Shinjuku, Tokyo: Auf dem Weg zum Rathaus habe ich mich von der Shinjuku Station durch den Großstadtdschungel gekämpft. Glücksspiel wie diese Greifarmautomaten ist legal in Japan. Auch Spielautomaten, wie beispielsweise Pachinko sind legal – dabei wirft man eine Kugel oben in den Automaten und je nachdem wo die Kugel landet, entscheidet sich ob man gewinnt oder verliert. Als Jackpot werden hier Kugeln ausgeschüttet, mit denen gespielt wird. Illegal ist nur Glücksspiel, bei dem man Geld gewinnen kann. Und natürlich gibt bei den Pachinko Salons oft um die Ecke einen kleinen unscheinbaren Laden, der Kugeln z.b. gegen Lippenstift eintauscht – als Sachpreis eben. Und noch etwas weiter findet man dann einen Laden, der Lippenstift gegen Geld tauscht. Bei den Greifarmautomaten dagegen ist das ganze aber nicht so kompliziert, der Gewinn ist klar und es ist (aus meiner Sicht) nichts verwerfliches daran. Viele japanische Familien gehen in solche Spielsalons mit Greifarmautomaten, um sich die Zeit zu vertreiben. Keiner macht sich hier Sorgen um Spielsucht. Aber genug von dem Thema, die Hauptattraktion heute ist der Ausblick vom Rathaus – das ist das Gebäude mit den zwei Türmen. Im 45. Stock ist auf jedem Turm eine Besucherplattform, der Eintritt ist kostenlos und man hat einen super Rundumblick auf die ganze Stadt. Auf dem 7. Bild (Blick nach unten) sieht man, dass es um das Rathaus herum gar keine Kreuzungen gibt. Die Straßen verlaufen alle auf unterschiedlichen Ebenen. Wenn man hier über die Straße geht, weiß man eigentlich nie, ob man gerade auf Bodenhöhe ist, oder ob man in einer künstlichen Vertiefung oder auf einer Erhöhung läuft. Das komplette Gebiet ist systematisch angelegt und es gibt keine Grenzen nach unten und nach oben. Das wurde mir besonders deutlich, als ich das Rathaus verlassen habe und wieder zur Shinjuku Station zurückgegangen bin. Der Weg zum Bahnhof verlief komplett in einer unterirdischen Passage, die dazu noch mehrere große Gebäude miteinander verbunden hat. Dann gab es an der Seite der Passage nur Wegweiser, zu welchem Gebäude dieser Durchgang führt. Aber wieder zurück zum Bild, was man hier nämlich noch sieht, ist ein Filmset in der linken unteren Ecke. Die Straße wurde dafür gesperrt. Auf Bild Nr.10 ist die große Grünfläche zu sehen, in der sich der Meji-Schrein und der Yoyogi-Park befinden. Ein Bild weiter sieht man rechts von dem Gebäude mit der Stufenartigen Spitze die Baustelle des Tokyoter Olympiastadions, das 2020 fertig sein soll. Hinter dem Olympiastadion versteckt sich auch noch der Tokyo Tower. Und ein Bild weiter ist der Tokyo Skytree in weiter Ferne zu erkennen. Das nächste Bild sollte eigentlich der Blick zum Fujisan sein, dieser hat sich an dem Tag aber nicht gezeigt. Danach habe ich noch einmal den Innenraum des Turmes fotografiert, hier ist auch ein Restaurant untergebracht. Wie schon gesagt, bin ich im Anschluss durch einen Tunnel zurück zur Shinjuku Station gelaufen und habe noch eine Runde um den Vorplatz gedreht. Im übrigen hat der Bahnhof 33 Gleise und ist mit einem Aufkommen von 3Mio Passagieren TÄGLICH einer der Verkehrsreichsten der Welt. Im Vergleich dazu haben alle Bahnhöfe in Deutschland zusammen genommen ein Passagieraufkommen von 4,5Mio täglich.

29.April – noch ein Tag in Tokyo:

Heute hatte ich gleich mehrere Ziele in Tokyo. Der Tag beginnt wie immer mit einer 5-minütigen Busfahrt zum Bahnhof Fukiage und von hier geht es weiter nach Tokyo. Die Wartezeit auf den Zug ist mit unter zehn Minuten wie immer sehr angenehm. Mit einer Tageskarte für die U-Bahn, kann man sich dann den ganzen Tag kreuz und quer durch Tokyo bewegen. Die Rundfahrt begann an der Ginza-Kreuzung. Hier gibt es einen Ausstellungsraum von Nissan, darin sieht man derzeit nur zwei Wagen: einen Nissan GTR und ein Concept Car aus dem Computerspiel „Gran Turismo“ nachgebaut. Etwas später, immernoch an der Ginza-Kreuzung im Edel-Kaufhaus Wako gibt es nicht nur teuren Schmuck und Designer-Klamotten, sondern auch alle möglichen Lebensmittel, von frischem Fisch über Obst und Gemüse, bis hin zu einem Stück Erdbeerkuchen für 3672 JPY, also ca. 28 EUR. Alle Gebäude an der Kreuzung sind unteridisch über die Verkaufsräume verbunden, man merkt es gar nicht, wenn man das Kaufhaus verlässt und plötzlich auf der anderen Straßenseite steht. Auf dem Dach des Wako gibt es dann noch ein Cafe, an das sich ein Garten anschließt. Von der Ginza ging es dann ein Stück mit der U-Bahn weiter in Richtung des Bezirks Roppongi, welcher bekannt für sein Nachtleben ist. Hier gibt es unzählige Kneipen und Restaurants. Zuerst kam ich noch durch einen Park und auch hier gibt es wieder einen versteckten Schrein. Am Tokyo Tower kam ich auch vorbei. Es folgen noch ein paar Bilder auf meinem Weg durch die Stadt. Skurril: ein Restaurant in Roppongi bedient auch Vierbeiner. Nach kurzer Suche habe ich dann ein Tsukemen Restaurant gefunden, in dem ich zu Mittag gegessen habe. Tsukemen ist eine charakteristische Nudelsuppe, so wie Ramen, allerdings bekommt man Nudeln und Suppe getrennt, die Nudeln werden dann erst kurz vor dem Essen in die Suppe getaucht. Mit vollem Magen ging es dann weiter zur Shimbashi Station. Hier bin ich in den voll automatisierten Zug der Yurikamome Linie umgestiegen, der über die Rainbow-bridge zu den künstlichen Inseln in der Tokyoter Bucht fährt. Es gibt keinen Zugführer und es ist schon ein etwas mulmiges Gefühl, wenn man zum ersten mal mit dem Zug fährt, aber die Aussicht nach vorne aus dem Zug entschädigt dann dafür. Vom Zug aus kann man auch einen sehr guten Blick auf den Hafen und die Frachtschiffe werfen. Das Messegelände „Tokyo Big Sight“ befindet sich auf einer dieser künstlichen Inseln im Bezirk Odaiba. Zum Abschluss war ich noch in Nakano. Hier gibt es eine Einkaufsstraße, die bekannt für ihre Hobby-Läden ist, also Modelle, Sammelfiguren, Münzen, Briefmarken und noch vieles mehr.
Morgen beginnt die Golden Week. In dieser Woche sind viele Feiertage und die meisten Firmen schließen für die komplette Woche. Ich habe mich in der Zeit für einen 3-tägigen Ausflug mit dem Shinkansen nach Osaka und Kyoto entschieden.

01.Mai – Osaka:

Von der Tokyo Station geht es zunächst mit dem Nozomi Shinkansen direkt nach Osaka, der Aufenthalt hier soll nur bis zum Abend dauern, denn in Kyoto habe ich ein Hotel gebucht. Osaka ist etwas weiter von Tokyo entfernt, als Kyoto. Doch die beiden Städte liegen relativ nah beieinander, sodass ich mich entschieden habe, nicht in Osaka zu übernachten. Die Reise muss also sehr früh beginnen, damit ich an dem einen Tag noch möglichst viel von Osaka sehen kann. Bevor es los geht, muss ich mir aber unbedingt noch das obligatorische Ekiben mitnehmen. Diese Lunchboxen sind bei Zugreisenden in Japan sehr beliebt. Es gibt sogar Kataloge, mit denen man aus dem Zug heraus sein Mittagessen bestellen kann. Das ist quasi eine Kombination aus Fahrplan und Speisekarte. Wenn der Zug beispielsweise laut Fahrplan 12:30 Uhr in Kyoto hält, dann kann man sich für den Halt sein Essen zur entsprechenden Zeit bestellen und dann wartet tatsächlich schon der Lieferdienst am Bahnsteig und bringt das Essen in den Zug.
Die Tokaido-Strecke führt am Fuji vorbei und was anfangs noch wie eine Wolke ausgesehen hat, entpuppt sich etwas später als dessen schneebedeckter Gipfel. Bis zum Juli muss der Fuji seine Schneekuppe verloren haben, sonst kann die Saison für die Bergsteiger nicht starten. Im Schnee ist es eben zu gefährlich. Als der Zug in Osaka ankam, war es bereits 13 Uhr und das Thermometer zeigte über 30°C. Zunächst einmal habe ich den Bahnhof erkundet, da das Gebäude eine sehr spektakuläre Architektur zu bieten hat. Die Gleise werden von zwei Hochhäusern flankiert, diese sind durch ein Dach verbunden, das den kompletten Bahnhof überspannt. Im Bahnhof gibt es Cafes, Kaufhäuser, ein Kino, eine Dachterasse und vieles mehr. Draußen vor dem Gebäude sind die wenigen schattigen Plätze schon vergriffen. Mein erstes Ziel war das Umeda Sky Building. Das sind eigentlich zwei 173m hohe Türme, die über eine Plattform auf dem Dach verbunden sind. Von einem Stockwerk unter dieser Plattform führen zwei Rolltreppen in Glastunneln auf die Aussichtsplattform – nichts für Leute mit Höhenangst. Die Aussicht ist sehr beeindruckend und am meisten habe ich wieder einmal über die Baukunst gestaunt. Da gibt es doch tatsächlich eine Kapelle, die in ein Hotel integriert ist oder einen Zubringer für die Autobahn, der mitten durch ein Hochhaus führt. Auf der Plattform ist mir dann noch die Werbung für das Frühlings-Bierfest aufgefallen. Wenigstens heisst es hier Bierfest, in Tokyo gibt es das nämlich auch, nur heisst es dort Frühlings-Oktoberfest, was ja schon ein Widerspruch in sich ist. Danach musste ich ein Stück mit der U-Bahn fahren, um zur Burg von Osaka zu kommen. Es ist für mich unvorstellbar, wie es den Menschen vor ca.450 Jahren möglich war, solch ein Bauwerk zu errichten. Man muss einfach hier gewesen sein und das mit eigenen Augen sehen, um die Größe überhaupt begreifen zu können. Die Festung besteht aus drei Mauern und zwei Wassergräben. Der Innere ist noch groß genug, dass Schiffe mit Touristen darin fahren. Typisch ist auch der Kontrast zwischen dem historischen Gebäude und den modernen Wolkenkratzern im Hintergrund. Außerdem hat der Getränkeautomat mein Interesse geweckt: darauf steht geschrieben „Rescue Vendor“. Im Falle einer Katastrophe (Erdbeben, Tsunami, etc.) gibt der Automat die Getränke kostenfrei heraus. Danach bin ich noch weiter in den Stadtteil Dotonbori gefahren, der bei Touristen sehr beliebt ist. Hier bin ich unter anderem in ein Riesenrad gestiegen und habe mir die Gegend um den Kanal angesehen. Vom Riesenrad aus konnte man dann noch einmal einen Blick über die Dächer werfen. Das ist zwar kein so schöner Anblick, da auf den Dächern sämtliche Klimaanlagen aufgebaut sind und es niemanden wirklich kümmert, ob die Dächer einen ordentlichen Eindruck machen, in der Ferne sieht man dann noch das Abeno Harukas, welches mit 300m das höchste bewohnte Gebäude Japans ist.

02.Mai – Kyoto:
Noch am Abend des 01.Mai ging also mein Zug zurück ins 60km entfernte Kyoto, wo ich das Hotel gebucht habe. Osaka war schon eine schöne Stadt und ich hätte hier gerne noch mehr Zeit verbracht, aber bei einem so kurzen Urlaub war das halt nicht mehr drin. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen noch einmal wieder zu kommen. Der nächste Tag in Kyoto begann mit einem Kaffee und einem Stück Gebäck in der Bäckerei, die nur wenige Meter vom Hotel entfernt war. Rundum versorgt war ich im Hotel übrigens auch, denn im selben Gebäude befand sich noch ein Burger-Restaurant und ein Kombini. Nach dem Frühstück ging es dann zum Nishiki-Markt. Diese Einkaufsstraße erinnert an einen Orientalischen Markt, hier gibt es die unterschiedlichsten Speisen und Gewürze zu kaufen, aber auch alte Handwerkskunst kommt nicht zu kurz. Da gibt es beispielsweise eine Messerschmiede, die dem Käufer auf Wunsch seinen Namen in das Messer Hämmert – das ist ein sehr beliebtes Souvenir bei westlichen Köchen, oder ein Geschäft, das gebrauchte Kleidung verkauft. Die beiden Kimonos, die hier an der Wand hängen, lagen preislich um die 1000 Euro. Mit ein bisschen Abenteuerlust gelangt man hin und wieder durch einen langen schmalen Gang zwischen den Häuserfronten in einen Hinterhof. Fernab von dem Trubel und dem Lärm in der Stadt, taucht man hier für einen Moment in eine ganz andere Welt ein. Wieder zurück in der Marktstraße fand ich dann noch diesen Laden, der für normalsterbliche unbezahlbare buddhistische Schnitzereien anbot. Danach trieb es mich weiter durch die Stadt am Takasegawa-Kanal und Teehäusern vorbei. Am späten Nachmittag wollte ich mir noch den Shimogamo-Schrein anschauen, der leider geschlossen war. Daher gibt es leider nur ein paar Bilder vom umgebenden Gelände. Nach einbruch der Dunkelheit fand ich dann noch den Weg durch den Geisha-Bezirk. Hier gibt es auch sehr viele Teehäuser und Restaurants. Die Preise sind allerdings ziemlich abgehoben.

03.Mai – Kyoto:
Nach dem Frühstück und dem auschecken im Hotel wollte ich mir gegen Mittag noch den Tenryuji ansehen. Der Tempel ist von einem Zen-Garten umgeben und in unmittelbarer Nähe befindet sich der Arashiyama Bambuswald. Im Tenryuji habe ich mir auch ein besonderes Souvenir gekauft: ein sogenanntes Goshuinchō. Das ist ein Siegelbuch, in diesem kann man sich jeden besuchten Tempel quittieren lassen. Ein Stempel inkl. Kalligrafie in dieses Buch kostet allerdings auch Geld. Im Schaufenster eines Geschäfts für Antiquitäten fand ich neben ein paar sehr teuren Büchern auch eine alte Schriftrolle, die für umgerechnet ca. 300.000 Euro bepreist wurde. Verspätetes Mittagessen gab es in Form von Okonomiyaki in einem Restaurant namens Kamehameha. Okonomiyaki kann unterschiedlich zubereitet werden, vergleichbar mit Raclette. Der Punkt ist: es wird am Tisch / Tresen für den Kunden vor seinen Augen zubereitet. In meinem Fall waren es Nudeln auf einem dünnen Teig (wie ein Eierkuchen), Gemüse und Meeresfrüchte. Jede Zutat wird einzeln angebraten und dann dem Gericht zugefügt. Nach dem Essen war es bereits ca 15 Uhr und ich musste mich auf die Rückreise vorbereiten. In der Abenddämmerung habe ich dann noch ein paar Fotos aus dem fahrenden Zug heraus geschossen und dass ich den Fuji noch einmal so zu sehen bekomme, hätte ich auch nicht erwartet. Einmal den Gipfel zu besteigen wäre schon eine unglaubliche Erfahrung.

04.Mai – Chichibu, Gyoda:
Die Golden Week ist noch nicht vorbei und es gibt ja auch in der näheren Umgebung noch vieles zu entdecken. Heute möchte ich einen Tagesausflug nach Chichibu machen. Die Stadt liegt etwa 50km westlich von Gyoda in den Bergen und ist unter Japanischen Wanderer unter anderem auch wegen seines Nationalparks ein beliebtes Ausflugsziel. Ausländische Touristen verirren sich dagegen kaum in die 60-tausend Einwohner zählende Stadt.
Leider habe ich bei meiner Planung die Eingeschränkten Abfahrtszeiten der Züge und Busse nicht berücksichtigt und so hat die Zeit zum wandern nicht mehr gereicht. Ich habe mich also mit einem Stadtbummel abfinden müssen. Am Bahnhof hat mich das Maskottchen der Chichibu-Line empfangen. Verlässt man das Bahnhofsgebäude und wirft einen Blick nach Süden wird man mit einem Blick auf den 1300m hohen Mount Bukō belohnt. Das Gebirge ist reich an Kalkstein und so wurde dieser Berg teilweise abgetragen. Nicht weit vom Bahnhof befindet sich der Musashikunichinomiya-Schrein. Wer hier beten möchte, muss sich erst einmal in die Schlange einreihen. Nicht weit vom Schrein bin ich dann noch auf diese „Litfaß-Säule“ gestoßen, auf der Menma aus dem Anime „Ano hana“ abgebildet ist. Chichibu ist die Stadt, in der dieser Anime spielt. Viele Schauplätze aus der Serie haben hier ihre realen Vorbilder und die Zeichnungen sind wirklich erstaunlich nah an der Realität. Gegen 16 Uhr musste ich dann schon wieder in den Zug einsteigen, damit ich noch eine Verbindung an diesem Tag zurück nach Gyoda habe. Noch am selben Tag fand dort ein Fest statt und das wollte ich mir nicht entgehen lassen. In Gyoda gibt es den größten Grabhügel Japans. Jedes Jahr im Mai findet daher das Grabhügel-fest statt, bei dem eine Geschichte erzählt wird, der ich mit meinen begrenzten Japanisch-Kenntnissen leider nicht folgen konnte. Wie bei jedem Fest in Japan gab es viele Fressbuden, die alles mögliche von gebratenen Nudeln, über Takoyaki und Tintenfisch am Spieß bis hin zu Eis und Bier angeboten haben. Am Ende der Aufführung haben viele Fackelträger eine Strohhütte in Brand gesetzt.

coming soon: Kamakura, Nikko, uvm…

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